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Sascha

Leichtigkeit und ein gutes Selbstgefühl lassen sich ja nicht auf Knopfdruck herstellen. Umso verblüffter und beglückter bin ich jedes Mal, wenn ich nach einer Stunde bei Caroline Jahns nach Hause laufe. Ich kann noch so erschöpft, verunsichert oder vom Alltag betäubt bei ihr ankommen – heraus komme ich wirklich jedes Mal mit einem guten Gefühl: wach und lebendig, vergnügt vor mich hinsummend, mich freuend über mich selbst und über die Menschen, denen ich begegne.
Ich weiß nicht, was da zwischen Psyche und Körper, Stimme und Gefühl genau passiert. Ich singe ja auch gar nicht so oft in den Stunden, kann auf keine Liste ›erarbeiteter‹ Lieder verweisen, sondern mache einfach ›nur‹ Klänge, z.B. auf ›A‹ oder ›O‹ oder ›Ö‹. Aber genau das ist der Punkt: Ich muss nichts, muss nichts leisten, muss keinem wo auch immer herkommenden Selbstbild genügen, muss nicht perfekt sein, darf das Geröll am Wegrand, wie Frau Jahns einmal so schön sagte, einfach mitnehmen und einfach nur wahrnehmen, spüren, wie sich da was entfaltet und vitalisiert im Klang.
Natürlich ist das methodisch angeleitet, und es geht auch immer wieder darum, das klanglich Erlebte ausgehend von den tollen sprachlich-metaphorischen Vorschlägen von Frau Jahns mit eigenen Worten zu beschreiben. Aber dabei sind keine Konzepte, Normen oder Sprachschablonen wirksam, die sich vor die konkrete, immer wieder neue Erfahrung schieben.
Wenn ich was lernen wollte, würde ich sagen: So geht Lernen. Und es geht nur deshalb, weil Caroline Jahns auf Augen- bzw. Ohrenhöhe dabei ist, weil sie mithört und sich mitfreut über das, was da passiert. Einer solchen Lehrerin kann man vertrauen. Und dieses Vertrauen ist die Voraussetzung für das, was in den Stunden passiert, weil es sehr viel mit Öffnung, mit Schutzlosigkeit, mit kindlichem Staunen, mit Entdeckerfreude zu tun hat.
Was man dabei entdeckt, worüber man staunt, ist ja eigentlich nur die eigene Stimme, aber über diesen Zugang zur eigenen Stimme entsteht offenbar etwas Umfassenderes, was man – sprachlich ja nicht zufällig verwandt – mit der Erfahrung innerer Stimmigkeit beschreiben könnte.
Vielleicht hat es auch mit dem zu tun, was der Soziologe Hartmut Rosa – ebenfalls nicht zufällig auf das Wortfeld des Akustischen zurückgreifend – »Resonanzerfahrung« nennt. Was auch immer – für einen ›Kopfmenschen‹ wie mich ist Caroline Jahns’ Stimmbildung ungemein befreiend. Das nützt meiner Arbeit als Lektor in einem großen Publikumsverlag. Es geht aber weit darüber hinaus.