Musikergesundheit?



In den Zeitungen gibt es bezüglich der Ausübung von Musik schon seit geraumer Zeit zwei Themen, die neben den Musikkritiken ihren Platz finden.  Zum einen liest man, Musik sei gesund, zum anderen, dass 80 % der Orchestermusiker körperliche und seelische Schäden haben.

Das Thema, dass Singen gesund sei, beschäftigte mich schon seit dem Studium. In meiner Diplom-Arbeit „Böse Menschen kennen keine Lieder“ fragte ich, warum in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern so wenige Menschen in ihrem Alltag singen. Eine der daraus gewonnen Erkenntnisse war, dass viele Menschen der Überzeugung sind, nicht gut zu singen, bzw. es gar nicht zu können. Woher kommt das mangelnde Vertrauen in diese körperliche Fertigkeit, warum wird das Vertrauen in die bei der Geburt kräftige Stimme verloren?

Auch aus professioneller Sicht habe ich erlebt, wie schnell das Vertrauen und die Freude zu singen schwinden können. 

Die Anforderungen an einen professionellen Sänger sind so hoch, dass akute körperliche Verschleißerscheinungen auftreten und sich im Laufe der Zeit nicht selten dauerhafte physische und psychische Schäden manifestieren. Dies gilt nicht nur für den Bereich Stimme, sondern in gleichem Maße für alle anderen Instrumente.

Für Musikausübende ist es sehr wichtig, dass sich das Gesundheitssystem und der Konzertbetrieb für die gesundheitliche Konstitution von Musikern sensibilisieren. Erfreulicherweise wird auf diesem Gebiet zunehmend präventiv eine pädagogische sowie medizinische Versorgung angeboten.

Studien belegen (s. Hildebrandt, Horst: Musikstudium und Gesundheit, Peter Lang-Verlag 2002), dass unter den Berufsmusikern ca. 80% an berufsbedingten Erkrankungen und Beschwerden leiden oder gelitten haben. Auch unter Studierenden geben ca. 50% Beschwerden an, die in Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit stehen (vgl. eine epidemiologische Studie an den Musikhochschulen Basel, Luzern und Zürich, 2004).

 

Fachpersonen auf dem Gebiet physiologischer Instrumentalpädagogik und der Musikermedizin und womöglich hilfreiche Informationen finden Sie unter folgenden Links: Linksammlung Musikergesundheit